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In der Schweiz ist der intravenöse Drogenkonsum vor allem bei Menschen mit einer Opiatabhängigkeit verbreitet: Etwas mehr als 22% der Frauen und Männer (entspricht 216 Personen), die 2019 mit einer Opiatabhängigkeit eine Beratung oder Therapie antreten, geben auf Nachfrage an, in den letzten 12 Monaten Drogen injiziert zu haben.

Unter denjenigen mit Kokain als Hauptproblem erwähnen Frauen zu 18,3% und Männer zu 11,2% (entspricht 55 Personen) einen intravenösen Drogenkonsum in den vergangenen 12 Monaten. Im Gegensatz dazu beantworten Personen mit hauptsächlicher Alkohol- oder Cannabisabhängigkeit die Frage nach einem intravenösen Drogenkonsum in den letzten 12 Monaten nur ganz selten mit ja. 

Dieser Indikator ist Teil des Monitoringsystems Sucht und NCD (MonAM) des Bundesamts für Gesundheit (BAG).

Personen mit intravenösem Drogenkonsum, die sich also Drogen zu nicht-medizinischen Zwecken spritzen, haben ein erhöhtes Risiko für Infektionen wie HIV, Hepatitis B und C, Tuberkulose und Endokarditis. Auch sind Todesfälle aufgrund von Überdosierungen häufiger als beim nicht-intravenösen Konsum. Intravenöser Drogenkonsum kommt am ehesten bei Opioiden vor. Auch Kokain und Amphetamine können gespritzt werden.

Angaben über die Prävalenz des Verhaltens sind nicht erhältlich. Um diese speziell vulnerablen Gruppen etwas besser zu kennen, greift der Indikator auf eine Befragung von Klientinnen und Klienten zurück, die eine ambulante oder stationäre Beratung oder Therapie neu antreten und fragt nach dem intravenösen Drogenkonsum in den vergangenen zwölf Monaten. Die Anteile der injizierenden Personen können als Hinweis auf die Grösse dieser Hochrisikogruppen verstanden werden.

Der Indikator steht in Zusammenhang mit dem strategischen Ziel der Prävention und Früherkennung sowie der Schadens- und Risikominderung der Nationalen Strategie Sucht.

Definition

Der Indikator zeigt den Anteil Personen, der in den 12 Monaten vor Eintritt in eine Beratung oder Therapie einen intravenösen Drogenkonsum aufwies (in den 6 Monaten vor Eintritt für die Jahre bis 2012). Die Klientinnen und Klienten werden bei Beginn einer solchen Beratung oder Therapie in vier Hauptproblemgruppen (Opiate, Kokain, Cannabis und Alkohol) unterteilt. Die Art der intravenösen Droge wird nicht ausgewiesen.

Der Indikator wird im Rahmen des Monitoring-Netzwerks act-info erhoben. act-info (The information network on addiction care and therapy in Switzerland) fasst die fünf im Bereich der Suchtberatung und -therapie geführten Statistiken in der Schweiz zusammen:

  • act-info-FOS (Forschungsverbund stationäre Suchttherapie)
  • act-info-Residalc (Statistik der stationären Behandlung der Alkoholabhängigkeit in der Schweiz)
  • HeGeBe (heroingestützte Behandlung)
  • SAMBAD (Statistik der ambulanten Behandlung und Betreuung im Alkohol- und Drogenbereich)
  • Substitution (nationale Substitutionsstatistik)

Gemäss Sucht Schweiz (www.suchtschweiz.ch) muss bei der Interpretation der Resultate berücksichtigt werden, dass erstens nicht alle Einrichtungen, die entsprechende Beratungen oder Therapien anbieten, teilnehmen und zweitens diese Frage häufig nicht beantwortet wird. Daher können Verzerrungen in den Ergebnissen nicht ausgeschlossen werden. Da es sich bei den gezeigten Resultaten jedoch um Anteile handelt, die gegenüber Teilnahmedefiziten weniger empfindlich sein sollten, kann davon ausgegangen werden, dass der Indikator für grobe Tendenzen über längere Zeiträume tauglich ist. 

Quelle

  • Sucht Schweiz. Monitoring-Netzwerk act-info: Webseite

Weiterführende Informationen

  • act-info Jahresberichte 2004-2019. Suchtberatung und Suchtbehandlung in der Schweiz. Ergebnisse des Monitoringsystems. Bundesamt für Gesundheit, Bern.
  • Injizierender Drogenkonsum als Herausforderung für die Gesundheitspolitik. Reihe: Drogen im Blickpunkt. Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EBDD), Lissabon: Kurzinformation.

Medienauskünfte

Bundesamt für Gesundheit BAG
Tel. +41 58 462 95 05
media@bag.admin.ch

Auskunft

Tel. +41 58 463 60 45
obsan@bfs.admin.ch
https://www.obsan.ch/de/kontakt

Zuletzt aktualisiert

31.08.2021