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In der Schweiz leben 5,8% der Kinder unter 15 Jahre in einer Familie, in der ein oder beide Elternteile risikoreich Alkohol konsumieren. 31,3% wachsen in einem Umfeld auf, in dem die Eltern täglich nikotinhaltige Produkte (z.B. Tabakprodukte, E-Zigaretten) zu sich nehmen. Der Anteil an Kindern, deren Eltern risikoreich illegale Drogen (z.B. Cannabis, Kokain, Heroin) konsumieren, ist gering (1,8%).  Bei einem Teil der Kinder zeigen die Eltern einen mehrfachen Risikokonsum. Dies ist insbesondere bei Alkohol und Tabak (1,9%) der Fall.

Dieser Indikator ist Teil des Monitoringsystems Sucht und NCD (MonAM) des Bundesamts für Gesundheit (BAG).

Kinder aus Familien mit risikoreichem Substanzkonsum

 Anteil betroffener Kinder in % und Anzahl Kinder

 

Quelle: BFS – Schweizerische Gesundheitsbefragung (SGB)
Studie: Hümbelin O., Läser J., Kessler D. (2020). «Kinder aus Familien mit risikoreichem Substanzkonsum». Berner Fachhochschule: Bern.
N: hochgerechnete Anzahl Kinder
Aufgrund von Rundungen können sich im abgebildeten Venn-Diagramm bei Summenbildung geringfügige Abweichungen ergeben.

Dieser Indikator zeigt den Anteil von Kindern, die in einem Haushalt leben, in dem ein oder beide Elternteile risikoreich Substanzen konsumieren.

Die körperliche und seelische Entwicklung von Kindern kann durch die Sucht der Eltern beeinträchtigt werden. Kinder aus Familien mit risikoreichem Substanzkonsum sind daher eine wichtige Zielgruppe für Präventions- und Unterstützungsmassnahmen.

Studien zeigen, dass Kinder aus Familien mit risikoreichem Substanzkonsum der Eltern ein erhöhtes Risiko haben, als Erwachsene eine eigene Suchtproblematik zu entwickeln. Einstellungen und Verhaltensweisen zum Konsum von Suchtmitteln werden zu einem grossen Teil durch das gemeinsame Familienleben von den Eltern an ihre Kinder vermittelt (Vorbildfunktion der Eltern). Zudem können genetische Faktoren dazu führen, dass risikoreicher Substanzkonsum in gewissen Familien gehäuft auftritt.

Die Belastungen für die Kinder sind je nach Substanz, welche die Eltern risikoreich konsumieren, sehr unterschiedlich. Eine Aufsummierung der Werte des Indikators über sämtliche Substanzen hinweg wird daher nicht empfohlen. Vergleiche der Werte für unterschiedliche Substanzen sollten mit Vorsicht vorgenommen werden.

Definition

Die Daten zu diesem Indikator stützen sich auf die Studie von Hümbelin et al. (2020).

Sie schätzt auf Basis der Schweizerischen Gesundheitsbefragung (SGB) die Anzahl und Anteile der Kinder, deren Eltern risikoreich Substanzen konsumieren. Im Rahmen der SGB wurden 22'134 Personen über 15 Jahren zu ihrem Gesundheitsverhalten befragt. Darunter befinden sich 4’517 befragte Elternteile mit Kindern unter 15 Jahren im Haushalt. Anhand ihrer Angaben konnte die Situation von 7’743 Kindern beschrieben werden. Die Prävalenz ist der Anteil der Kinder, deren Eltern risikoreich Substanzen konsumieren, gemessen an sämtlichen Kindern, die in die Schätzung einbezogen wurden. Folgende Kriterien wurden angewandt, um den Konsum der Eltern als «risikoreich» einzustufen:

Alkohol: chronisch oder episodisch risikoreicher Alkoholkonsum gemäss WHO:

  • Chronisch risikoreicher Konsum: durchschnittlicher täglicher Alkoholkonsum von 20g oder mehr (2 oder mehr Standardgläser) bei Frauen und 40g oder mehr (4 oder mehr Standardgläser) bei Männern in den letzten 12 Monaten
  • Episodisch risikoreicher Konsum (sogenanntes Rauschtrinken): mindestens wöchentlicher Konsum von 4 (Frauen) oder 5 (Männer) Standardgläser oder mehr bei einer Gelegenheit in den letzten 12 Monaten

Nikotin:

  • Konsum klassischer Tabakprodukte (Zigaretten, Zigarren, Pfeifen, Zigarillos), der einem Äquivalent von mindestens täglichem Zigarettenkonsum entspricht
  • Mindestens täglicher Konsum von erhitzten Tabakprodukten oder E-Zigaretten

Illegale Substanzen:

  • Mindestens einmaliger Konsum von Ecstasy, Heroin und anderen Drogen (z.B. Amphetamin, LSD) innerhalb der letzten 12 Monate
  • Mindestens einmaliger Konsum von Kokain innerhalb der letzten 30 Tage
  • mehrmals wöchentlicher Konsum von Cannabis

Um die Anzahl der betroffenen Kinder zu schätzen, wurden die Prävalenzen mit Daten der Statistik der Bevölkerung und der Haushalte (STATPOP) verrechnet. Gemäss dieser Vollerhebung lebten in der Schweiz im Jahr 2017 1'269'055 Kinder unter 15 Jahren. Weitere Informationen zur Methode sind der Studie von Hümbelin et al. (2020:12-23) zu entnehmen.

Quellen, Referenzen und weiterführende Informationen

Quellen: Bundesamt für Statistik (Schweizerische Gesundheitsbefragung)
Referenzen: Hümbelin O., Läser J., Kessler D. (2020). «Kinder aus Familien mit risikoreichem Substanzkonsum». Berner Fachhochschule: Bern (Studie).
Weiterführende Informationen:
- Bundesamt für Gesundheit (2020). Kinder aus Familien mit risikoreichem Substanzkonsum. Bern, 2020 (Faktenblatt).
- Klein M., Thomasius R., Moesgen D. (2008). Kinder aus suchtbelasteten Familien. Bundesministerium für Gesundheit: Berlin (Publikation).

Medienauskünfte

Bundesamt für Gesundheit BAG
Tel. +41 58 462 95 05
media@bag.admin.ch

Auskunft

Tel. +41 58 463 60 45
obsan@bfs.admin.ch
https://www.obsan.ch/de/kontakt

Zuletzt aktualisiert

20.10.2020