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In der Schweiz trinken 17,7% der Bevölkerung im Jahr 2017 Alkohol in einem Ausmass, das risikoreich für die Gesundheit ist, sei dies chronisch oder episodisch bei bestimmten Gelegenheiten ("binge drinking"). Bei den Männern ist dieser Anteil mit 22,5% deutlich höher als bei den Frauen (Anteil von 13,0%). Insgesamt hat der risikoreiche Alkoholkonsum seit 2007 zugenommen. Grosse Unterschiede lassen sich zudem zwischen Personen unterschiedlichen Alters und verschiedenen Bildungsniveaus beobachten: Tertiär ausgebildete Personen sowie jüngere Personen konsumieren häufiger Alkohol in einem risikoreichen Ausmass.

Dieser Indikator ist Teil des Monitoringsystems Sucht und NCD (MonAM) des Bundesamts für Gesundheit (BAG).

Zwei Formen des erhöhten Alkoholkonsums werden mit einem gesundheitlichen Risiko in Verbindung gebracht: erstens chronisch erhöhte Trinkmengen über längere Zeit (chronisch risikoreicher Alkoholkonsum) und zweitens episodisch übermässiger Konsum bei bestimmten Gelegenheiten (episodisch risikoreicher Alkoholkonsum), auch Rauschtrinken oder «binge drinking» genannt. Der chronisch risikoreiche Alkoholkonsum gilt als Risikofaktor für koronare Herzkrankheiten, bestimmte Krebsarten, Hirnblutungen, Krankheiten des Verdauungstraktes, schwere Depressionen und Epilepsien. Der episodisch risikoreiche Alkoholkonsum kann Unfälle, Verletzungen, Gewalt, Sachbeschädigungen und erhöhte Suizidgefahr mit sich bringen. 

Dieser Indikator zeigt den Anteil der Bevölkerung, der mindestens eines der beiden risikoreichen Alkoholkonsumverhalten aufweist. Er gibt damit eine Sicht auf die Verbreitung des gesamten risikoreichen Alkoholkonsums in der Schweizer Bevölkerung.

Die Grössenordnung des risikoreichen Alkoholkonsums ist relevant im Hinblick auf die Prävention von Suchterkrankungen.

Definition

Dieser Indikator wurde auf Basis der Daten der Schweizerischen Gesundheitsbefragung (SGB) berechnet.

Er zeigt den Anteil der 15-jährigen und älteren in einem Privathaushalt lebenden Bevölkerung an, die entweder einen chronisch oder einen episodisch risikoreichen Alkoholkonsum oder beides aufweisen.

Von einem chronisch risikoreichen Alkoholkonsum spricht man bei einem durchschnittlichen täglichen Alkoholkonsum mit folgenden Grenzen: Mittleres Risiko für Frauen bei 20 g bis 40 g reinem Alkohol, d.h. 2 bis 4 Standardgläsern, für Männer bei 40 g bis 60 g, d.h. 4 bis 6 Standardgläsern*; Hohes Gesundheitsrisiko für Frauen bei über 40 g, d.h. über 4 Standardgläsern, für Männer bei über 60 g, d.h. über 6 Standardgläsern. Der durchschnittliche Alkoholkonsum in Gramm pro Tag ist im Index AGRAMTAG enthalten und stützt sich auf eine Kombination von Fragen zum Konsum von Bier/Wein/saurem Most/Spirituosen/Alkopops in den 12 Monaten vor dem Interview (Häufigkeit und Menge).

Einen episodisch risikoreichen Alkoholkonsum haben 15-jährige und ältere Personen, die in den letzten zwölf Monaten mindestens einmal pro Monat 4 (Frauen), bzw. 5 (Männer) Standardgläser* eines alkoholischen Getränks bei einer Gelegenheit konsumiert haben. In der Schweiz wurde diese Definition entsprechend internationalen Entwicklungen in der Alkoholforschung mehrmals angepasst, weshalb ein Vergleich aller Jahre der Gesundheitsbefragung aktuell nicht möglich ist. Die Häufigkeit des episodisch risikoreichen Alkoholkonsums ist in der Variablen TALKO22 der SGB enthalten.

*1 Standardglas = 1 Glas Wein/Bier/Schnaps = 10 bis 12 g reiner Alkohol.

Die präsentierten Resultate unterschätzen vermutlich den wahren Konsum: Beispielsweise tendieren die interviewten Personen aus Gründen der sozialen Erwünschtheit dazu, ihren Alkoholkonsum zu tief anzugeben. Ausserdem ist anzunehmen, dass Personen, deren Alkoholkonsum ein hohes gesundheitliches Risiko darstellt oder schon zu gesundheitlichen und sozialen Veränderungen geführt hat, eher seltener an Erhebungen teilnehmen.

Die Eidgenössische Kommission für Alkoholfragen (EKAL) rät in ihrer «Orientierungshilfe zum Alkoholkonsum» (2018) gesunden erwachsenen Frauen, nicht mehr als ein Standardglas pro Tag zu trinken, gesunden erwachsenen Männern, nicht mehr als zwei Standardgläser pro Tag zu sich zu nehmen, sowie allen, alkoholfreie Tage pro Woche einzuhalten.

Eine Erklärung der soziodemographischen Variablen findet sich im Dokument: Beschreibung der Dimensionen.

Quellen, Referenzen und weiterführende Informationen

Quellen: Bundesamt für Statistik (Schweizerische Gesundheitsbefragung)
Referenzen:
- Marthaler Marc (2013). Risiken für alkoholbedingte Krankheiten und Mortalität, Grundlagen für eine Orientierungshilfe zum risikoarmen Alkoholkonsum. Lausanne: Sucht Schweiz 2013 (Studie).
Weitere Daten und Informationen zum Thema können unter folgenden Quellen gefunden werden:
- Gmel G., Kuendig H., Notari L., Gmel C. (2017). Suchtmonitoring Schweiz - Konsum von Alkohol, Tabak und illegalen Drogen in der Schweiz im Jahr 2016. Sucht Schweiz, Lausanne, Schweiz (Studie).
- Eidgenössische Kommission für Alkoholfragen (EKAL) (2018). Orientierungshilfe zum Alkoholkonsum – 2018. Bern, Juni 2018 (Faktenblatt).
 

Medienauskünfte

Bundesamt für Gesundheit BAG
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Auskunft

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Zuletzt aktualisiert

09.06.2020