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Im Jahr 2017 verursachte Sucht volkswirtschaftliche Kosten in der Schweiz in der Höhe von 7,86 Mrd. Franken. Die Aufschlüsselung zeigt, dass Tabak die höchsten Kosten auslöste, gefolgt von Alkohol und illegalen Drogen. Bei der Forschung zu den Verhaltenssüchten in den Bereichen Geldspiel, Kaufsucht, Social Media oder Cybersex handelt es sich um eine junge Disziplin, so dass erst wenige Daten vorliegen. Die Kosten des Geldspiels beliefen sich auf 221 Mio. Franken.

Ausgaben im Gesundheitswesen, Kosten aufgrund von Produktivitätsverlusten und Kriminalität (Strafverfolgung) sind für die volkswirtschaftlichen Kosten von Sucht hauptverantwortlich. Ausgaben im Gesundheitswesen machten 2017 den grössten Teil aus (49%). Auch direkte Produktivitätsverluste aufgrund suchtbedingter Krankheiten oder aufgrund der unmittelbaren Äusserungsformen der Sucht (z.B. durch Abwesenheit wegen Kater, Rausch am Arbeitsplatz) machten einen grossen Teil der Kosten aus (jeweils 20%). Die Kosten, die durch Strafverfolgung und Produktivitätsverluste wegen frühzeitigen Todes entstehen, waren geringer.

Sozialversicherungen trugen 2017 knapp 3,2 Mrd. Franken, Unternehmen gut 3 Mrd. und der Staat 1,6 Mrd. der volkswirtschaftlichen Kosten von Sucht.

Dieser Indikator ist Teil des Monitoringsystems Sucht und NCD (MonAM) des Bundesamts für Gesundheit (BAG).

Sucht wirkt sich negativ auf die Gesundheit und Lebensqualität des betroffenen Menschen aus. Jedoch ist Sucht nicht nur ein Public Health-Problem. Die Folgen belasten auch Gesellschaft und Wirtschaft. Ein besseres Verständnis der Kosten von Sucht ermöglicht es, allen Akteuren bewusst zu machen, dass sich Prävention lohnt.

Definition

Dieser Indikator basiert auf der Studie von Fischer et al. (2020). Datengrundlagen für die Schätzungen sind neben der Schweizerischen Gesundheitsbefragung zahlreiche weitere Datenquellen. Nähere Angaben dazu können der Originalliteratur entnommen werden.

Der Indikator weist die volkswirtschaftlichen Kosten von Sucht aus. Folgende Kostenwerte werden ausgewiesen:

Direkte Kosten

  • Gesundheitswesen: Stationäre Kosten (Akutsomatik, Psychiatrie, Rehabilitation und Pflege) sowie ambulante Kosten (ambulante Behandlungen und Medikamente)
  • Strafverfolgung: Kosten für Polizei, Strafvollzug und Justizsystem, die durch suchtbedingte Straftaten verursacht werden (Sachschäden nicht mit einbezogen)

Indirekte Kosten

  • Produktivitätsverluste Mortalität: Verluste aus bezahlter und unbezahlter Arbeit aufgrund frühzeitigen suchtbedingten Todes
  • Produktivitätsverluste Morbidität: Kosten durch frühzeitige Pensionierung und Absentismus aufgrund suchtbedingter Krankheiten und Hospitalisierungen
  • Direkte Produktivitätsverluste: unmittelbarer, suchtbedingter Absentismus (z.B. Kater, Geldspiel statt Arbeit) und Präsentismus (verminderte Leistung hervorgerufen durch Anwesenheit am Arbeitsplatz unter Substanzeinfluss)

Die hier ausgewiesenen Kosten fallen geringer aus als in früheren Schätzungen. Dies liegt daran, dass die Produktivitätsverluste mit dem Friktionskostenansatz (FKA) ermittelt wurden. Der FKA geht davon aus, dass eine erkrankte Person nach einer gewissen Zeit durch einen neuen Arbeitnehmenden ersetzt werden kann, der bisher arbeitslos war. Es werden nur die nicht gearbeiteten Stunden während der Friktionsperiode von 4 Monaten berücksichtigt. Vorherige Studien für die Schweiz verwenden hauptsächlich den Humankapitalansatz (HKA). Dabei wird jede durch Krankheit oder Tod nicht gearbeitete Stunde berücksichtigt. Es wird angenommen, dass eine Person, welche krankheits- bzw. suchtbedingt ausfällt, am Arbeitsplatz nicht ersetzt werden kann. Der HKA führt tendenziell zu einer Überschätzung, der FKA zu einer Unterschätzung der tatsächlichen indirekten Kosten. Die vorliegende Studie zeigt aber, dass die volkswirtschaftlichen Kosten von Sucht bei gleichbleibender Berechnungsmethode (HKA) relativ stabil geblieben sind.

Die Ermittlung der Kosten der einzelnen Suchtarten folgt einem vergleichbaren methodischen Ansatz. Weitere Erläuterungen zur Methodik finden sich in der Studie von Fischer et al. (2020).

Referenzen

  • Fischer, B. et al. (2020): Volkswirtschaftliche Kosten von Sucht. Polynomics, Olten: Studie

Medienauskünfte

Bundesamt für Gesundheit BAG
Tel. +41 58 462 95 05
media@bag.admin.ch

Auskunft

Tel. +41 58 463 60 45
obsan@bfs.admin.ch
https://www.obsan.ch/de/kontakt

Zuletzt aktualisiert

09.04.2021