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In der Schweiz sterben jeden Tag zwei bis drei Menschen durch Suizid (ohne Fälle von Suizidhilfe). Ursprünglich wurde Suizid als eine absichtliche Handlung verstanden (vgl. z.B. ICD-10). Mittlerweile wird dies von Fachleuten kritisch diskutiert: Ein Suizidversuch erfolgt oft in einem psychischen Ausnahmezustand und mit eingeschränkter Urteilsfähigkeit (BAG, 2016; Gysin-Maillart, 2013). Er scheint für die betroffene Person der einzige Ausweg aus einer für sie unerträglichen Situation. Suizid ist in diesem Fall nicht Ausdruck von persönlicher Freiheit, sondern von Hoffnungslosigkeit (Michel, 2012). Suizide gehören nach Krebs- und Kreislauferkrankungen zu den häufigsten Gründen für frühzeitige Sterblichkeit (gemessen in verlorenen potenziellen Lebensjahren). Und sie haben beträchtliche Folgen für Angehörige und Nahestehende. Oft trifft es diese völlig unerwartet, einige entwickeln danach ein erhebliches Leiden. Finden Suizide im öffentlichen Raum statt, z.B. bei einem Sprung von einem Gebäude oder vor den Zug, besteht zudem die Gefahr einer Traumatisierung von Drittpersonen.

Bei Fällen von Suizidhilfe (assistierter Suizid, Beihilfe zu Suizid) muss der Sterbewunsch der Betroffenen dauerhaft sein und bei voller Urteilsfähigkeit geäussert werden. Sie erfolgen in erster Linie aufgrund von chronischen körperlichen Erkrankungen, wie Krebs oder neurodegenerative Erkrankungen, bei hoffnungsloser Prognose und unerträglichen Beschwerden.

Definition

Standardisierte Suizidrate (Todesursachen nach ICD-10 Codes X60 bis X84) pro 100'000 Einwohner/innen.

Die Sterbehilferate ist nach ICD-10 Code X618 definiert.

Die hier dargestellten Ergebnisse basieren auf der Todesursachenstatistik des BFS, berücksichtigt werden Personen mit Wohnsitz in der Schweiz.

 

Formel für die Berechnung dieses Indikators

Die standardisierte Rate wurde anhand der direkten Methode wie folgt berechnet:

Nij: Zahl der Personen in der Altersgruppe i und Geschlecht j in der Standardbevölkerung
rij: Alters- und geschlechtsspezifische Rate
Als Standardbevölkerung wurde die europäischen Standardpopulation 2010 (Eurostat 2013) verwendet.

Das Vertrauensintervall ist ein Mass für die Präzision der Schätzung. Es definiert Grenzen, innerhalb derer der Wert mit einer Wahrscheinlichkeit von 95% zu finden ist. Der Standardfehler und die 95% Konfidenzintervalle wurden basierend auf einer Gamma-Approximation der Varianz der Rate berechnet (Tiwari et al., 2006).

Referenzen

BAG (2016). "Suizidprävention in der Schweiz. Ausgangslage, Handlungsbedarf und Aktionsplan". Bern: Bundesamt für Gesundheit.
Eurostat (2013). “Revision of the European Standard Population”. Eurostat methodologies and working papers. Luxembourg: Publications Office of the European Union.
Gysin-Maillart, A. (2013). "Kurztherapie nach Suizidversuch", Bern: Hans Huber.
Michel, K. (2012). "Suizid ist keine überlegte Handlung". Fachinformationen Suizidalität.
Tiwari, R. C., Clegg, L. X., & Zou, Z. (2006). Efficient interval estimation for age-adjusted cancer rates. Statistical methods in medical research, 15(6), 547-569.

Quellen

Bundesamt für Statistik
Statistik der Todesursachen
Statistik der Bevölkerung und der Haushalte (STATPOP)

Auskunft

Tel. +41 58 463 60 45
obsan@bfs.admin.ch
https://www.obsan.ch/de/kontakt

Zuletzt aktualisiert

07.04.2020