2019 – Vom Monitoring-System MonAM bis zum Spitalplanungscockpit

Auch 2019 hat das Obsan Bund und Kantone in wesentlichen Aufgaben zum Gesundheitssystem unterstützt. Neue Planungstools waren genauso gefragt wie die aktuelle Gesundheitsberichterstattung. Wie im Vorjahr stieg das Volumen der Kundenaufträge, wobei vor allem Kantone mit fünfjährigen Standardverträgen von den Dienstleistungen des Obsan profitierten.

Die kantonale Gesundheitsberichterstattung führte dazu, dass das Obsan 2019 der Öffentlichkeit 21 Publikationen zur Verfügung stellen konnte (im Vorjahr 9). Der fünfjährliche Rhythmus ist Herausforderung und Grund zur Zufriedenheit gleichzeitig.

Gesundheitsversorgung

Im Frühling 2019 publizierte das Obsan den Bericht «Ein Modell zur Analyse der Versorgungsdichte», der die räumliche Zugänglichkeit zur Gesundheitsversorgung thematisiert. Damit können Versorgungsdichten kleinräumig ermittelt und genutzt werden. Dies wird in Zukunft sicher zunehmend relevant werden, wenn die Kantone sachliche Entscheidungskriterien für die Zulassung von Ärztinnen und Ärzten in der ambulanten Versorgung benötigen.

Das Obsan hat seine Tätigkeit im Bereich der Analysen der Spitäler erweitert. Erstmals hat es ausführliche Versorgungsberichte für die Kantone Appenzell Ausserrhoden und Waadt verfasst, die neben den statistischen Grundlagen für die Spitalplanung auch Analysen der gegenwärtigen Versorgungsituation im Kanton umfassen. Ein Spitalplanungscockpit macht viele Berechnungen auf einen Blick ersichtlich. Zudem erarbeitete das Obsan neu auch Grundlagen für die Psychiatrieversorgungsplanungen der Kantone Luzern, Nidwalden, Obwalden sowie für das Psychiatriekonkordat Uri, Schwyz und Zug. Die Berechnungen berücksichtigen neben dem stationären Teil der Versorgung auch den ambulanten Teil.

Im Bereich der hochspezialisierten Medizin HSM suchte die Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und ‑direktoren (GDK) eine Institution, die die Planungsgrundlagen zuhanden des HSM-Fachorgans aufarbeitet. Das Obsan hat diesen Auftrag übernommen und konnte 2019 erste Resultate liefern. Dieses Mandat schliesst verschiedene weitere Bereiche der hochspezialisierten Medizin ein, die in den kommenden Jahren untersucht werden.

Ambulant vor stationär ist weiterhin ein Thema: Im Januar wurde der Stand der spitalambulanten Verlagerung in den Kantonen dargestellt. Die Publikation «Die Entwicklung der ambulanten Versorgung in den Kantonen» erfolgte im Anschluss an diejenige vom Vorjahr zur Einschätzung des nationalen Verlagerungspotenzials der sechs chirurgischen Eingriffe, die in die Krankenpflege-Leistungsverordnung KLV aufgenommen wurden (Auftrag Bundesamt für Gesundheit BAG). Ein Monitoring der Entwicklungen ist vorgesehen.

Mit Versorgung beschäftigten sich 2019 weitere Projekte, unter anderem erarbeitete das Obsan für die Kantone Jura und Neuenburg ein Kantonsportrait mit den wichtigsten Zahlen zu ihrem Gesundheitssystem («Photographie du système de santé»). Zudem unterstützt das Obsan weiterhin zwei unterschiedliche Projekte des Nationalen Forschungsprogramms NFP74.

Gesundheitspersonal

Das Obsan arbeitet seit einigen Jahren an Prognosen zur Ärzteschaft und hat dazu ein Modell aus Holland adaptiert. Im Jahr 2019 hat der Dialog Nationale Gesundheitspolitik dem Obsan ein Mandat mit dem Ziel erteilt, mithilfe dieses Modells den zukünftigen Bestand und Bedarf an Ärztinnen und Ärzten für verschiedene Fachgebiete zu ermitteln. Die Arbeiten beginnen 2020 und sind über fünf Jahre geplant.
 

Wie jeden Herbst hat das Obsan Befragungsdaten aus dem «International Health Policy Survey» aufgearbeitet, die 2019 den Ärztinnen und Ärzten in der Grundversorgung gewidmet waren «Ärztinnen und Ärzte in der Grundversorgung – Situation in der Schweiz und im internationalen Vergleich». Die Schweizer Ergebnisse können denjenigen von zehn Ländern gegenübergestellt werden, und es lassen sich Entwicklungen für den Zeitraum 2012 bis 2019 aufzeigen.

Gegenwärtig ist das Datenmanagement und die interne Plausibilisierung der Strukturdaten zu den Arztpraxen und ambulanten Zentren aus der neuen Erhebung MAS des Bundesamtes für Statistik (BFS) im Fokus. Sie stehen seit 2019 zur Verfügung und bilden die Grundlage für neue Analysen im ambulanten Bereich.

Demografie und Inanspruchnahme

Prognosen im Bereich der Langzeitpflege sind für die Kantone essenziell, um die notwendigen Planungen zu erstellen. Seit Jahren unterstützt sie das Obsan mit einem Modell für die Pflegeheimplanung. Obwohl die Datenlage im Bereich der Spitex und der intermediären Wohnstrukturen national noch lückenhaft ist, erweiterte das Obsan 2019 sein Modell für die Langzeitpflege auf Anfrage von Kantonen in diese Bereiche. Im Projekt werden teilweise kantonale Daten verwendet. Zwei Kantone haben die Ergebnisse im Rahmen des neuen Modells bereits erhalten, zwei weitere Berechnungen sind im Jahr 2020 geplant.

Im Bulletin «Aufenthaltsorte von älteren Menschen im letzten Lebensabschnitt» zeichnete das Obsan 2019 mittels Verknüpfung verschiedener Datenbanken die Wege und Stationen am Lebensende auf, die typischerweise in der Schweiz vorkommen.

Psychische Gesundheit, Krankheit und Behinderung

Das Obsan analysierte im Auftrag des BAG Daten aus der Schweizerischen Gesundheitsbefragung (SGB) 2017 zu «Suizidgedanken und Suizidversuche in der Schweizer Bevölkerung». Die Fragen zu Suizidversuchen waren 2017 erstmals gestellt worden. Das Bulletin zeigt, dass viele Menschen in der Schweiz von Suizidgedanken betroffen sind und/oder Suizidversuche unternommen haben. Die Ergebnisse weisen auf die Notwendigkeit einer langfristigen, strukturierten Unterstützung und Nachbetreuung hin.

Ein Übersichtsbulletin «Psychische Gesundheit» mit Kennzahlen zur psychischen Gesundheit für das Jahr 2017 (Mandat des BAG) zeigt, in welchem Ausmass die Schweizer Bevölkerung glücklich oder deprimiert ist, welche psychiatrisch-psychotherapeutischen Leistungen sie im ambulanten und stationären Setting in Anspruch nimmt sowie deren Kosten. Es handelt sich um die Aktualisierung des Bulletins mit den Kennzahlen 2016.

In der Schweiz kann eine Person gegen ihren Willen zur Behandlung und Betreuung in eine geeignete Institution eingewiesen werden. Das Obsan hatte 2018 Zahlen zu diesen «Fürsorgerischen Unterbringungen» veröffentlicht. Nun wurde ein Indikator erstellt, in welchem die Ergebnisse regelmässig aktualisiert werden.

Gesundheitsberichterstattung und Monitoring

Die kantonale Gesundheitsberichterstattung war 2019 in vollem Gange. Im Sommer konnten die wichtigsten Ergebnisse der Schweizerischen Gesundheitsbefragung 2017 in 4 Broschüren und 10 standardisierten Gesundheitsreports veröffentlicht werden. In diesem Jahr erfolgte zudem die Redaktion der vier kantonalen Gesundheitsberichte und eines Berichts für die französischsprachige Schweiz, die 2020 publiziert werden.

Der nationale Gesundheitsbericht zu «Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in der Schweiz» wurde im Laufe des Jahres 2019 fertig geschrieben, einem Review unterzogen und zu einem Grossteil bereits übersetzt. Nach der Phase von Vorbereitung, Layout und Druck wird er im Juni 2020 erscheinen.

Das Monitoring-System MonAM (Schweizer Monitoring-System Sucht und nichtübertragbare Krankheiten) entwickelt sich stetig weiter. Es wird im Auftrag und in Zusammenarbeit mit dem BAG erstellt und enthielt Ende 2019 knapp 80 Indikatoren. Weitere werden 2020 dazukommen, zudem werden die Aktualisierungen an Bedeutung gewinnen.

Obsan-Kundenzentrum


Das Kundenzentrum durchliefen 2019 (69) praktisch gleich viele Aufträge wie 2018 (70). Auffallend ist die Zunahme an publizierten Aufträgen (18 vs. 5), was primär auf die katonale Gesundheitsberichterstattung zurückzuführen ist.

Beispiele für Kundenaufträge:

  • Kantonsportrait mit den wichtigsten Zahlen zum Gesundheitssystem für die Kantone Jura und Neuenburg (Photographie du système de santé pour les cantons du Jura et de Neuchâtel)
  • Psychiatrieversorgungsplanungen für die Kantone Luzern, Nidwalden, Obwalden sowie das Psychiatriekonkordat Uri, Schwy und Zug
  • Indikatoren zur Messung der Zielerreichung von «Gesundheit 2020» im Auftrag des BAG
  • Interkantonales Monitoring zum ambulanten Spitalbereich in der Westschweiz im Auftrag des Groupement romand des services de santé publique GRSP (Monitoring intercantonal romand de l'activité hospitalière – données de l'ambulatoire sur mandat du GRSP)

Der Obsan-Workshop im Juni war wie immer ein Highlight, das von allen, intern und extern, sehr geschätzt wird. Er schafft eine gute Gelegenheit, die vielfältigen Arbeiten des Obsan zu präsentieren, sich mit den Kundinnen und Kunden auszutauschen sowie deren Bedürfnisse zu erfahren. 

Team

Total 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, entsprechend 15,9 Vollzeitäquivalenten, gehören zum Team des Obsan (Stand: Dezember 2019). Die Verminderung um ein Vollzeitäquivalent bzw. eine Person gegenüber 2018 ergibt sich daraus, dass Ende 2019 dem Obsan kein Lehrling zugeteilt worden war. Ansonsten ist die Situation stabil.

Jonathan Zufferey ergänzt seit Februar 2019 das Team. Neben der Redaktion des Genfer Gesundheitsberichts ist er zuständig für die Obsan-Indikatoren. Mit seinem Hintergrund als Demograph ergänzt er das sehr interdisziplinär ausgerichtete Obsan-Team hervorragend.

Organigramm (PDF)

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