2020: Gesundheitsberichte als Schwerpunkt

Alle fünf Jahre – so auch 2020 – sind beim Schweizerischen Gesundheitsobservatorium (Obsan) die Gesundheitsberichte im Fokus, denn die Publikation des Nationalen Gesundheitsberichts und mehrerer kantonaler Gesundheitsberichte stehen an. Trotz Covid-19 konnte die Berichterstattung abgeschlossen werden. In diesem Jahr wurden insgesamt 21 Publikationen herausgegeben. Zudem erhielt das Obsan einen neuen Leistungsauftrag für die Jahre 2021–2025. In der Folge schlossen 19 Kantone mit dem Obsan einen Standardvertrag für die neue Leistungsperiode ab.

Gesundheitsberichterstattung und Monitoring

Der Nationale Gesundheitsbericht «Gesundheit in der Schweiz – Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene» konnte nicht wie vorgesehen im Juni publiziert werden, da die vorgesehene Konferenz wegen der Covid-19-Pandemie abgesagt werden musste.
Doch Ende August ergab sich die Möglichkeit, ihn einem kleinen Publikum vor Ort und weiteren Interessierten per Videostream vorzustellen.

Der Bericht steht als Buch und als eigene Webseite (www.gesundheitsbericht.ch) zur Verfügung. Neben der Beschreibung von Gesundheit und Krankheit der jüngsten Generation umfasst der Bericht auch die Themen Gesundheitsförderung, Prävention und Versorgung dieser Altersgruppe.

Die kantonale Gesundheitsberichterstattung konnte termingerecht abgeschlossen werden. Publiziert wurden generelle Gesundheitsberichte im Auftrag der Kantone St.Gallen, Uri, Genf und Freiburg und ein spezieller Fachbericht zur Gesundheit der Bevölkerung ab 65 Jahren in der lateinischen Schweiz.

Beim Indikatoren-Monitoring lag das Hauptgewicht neben der Aktualisierung der bestehenden Indikatoren auf Konzeptarbeiten, um das System an neue Anforderungen und neue Datenquellen anzupassen. Auf besonderes Publikumsinteresse stiess zudem im Frühjahr ein Indikator zu den Risikoerkrankungen für Covid-19. Und schliesslich konnte das Monitoring-System Sucht und nicht-übertragbare Krankheiten (MonAM) des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) weiter ausgebaut werden. Es umfasste Ende 2020 105 Indikatoren und wird 2021 punktuell weiter ausgebaut und regelmässig aktualisiert.

Gesundheitsberufe und Gesundheitsversorgung

Die Vorarbeiten für einen umfassenden Bericht zum Gesundheitspersonal in der Schweiz in Zusammenarbeit mit der Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren (GDK) und der nationalen Dachorganisation der Arbeitswelt Gesundheit (OdaSanté) liefen 2020 auf Hochtouren. Ein Simulationsmodell für die Prognosen zum Pflegepersonal wurde erstellt und ergänzt durch eine Sensibilitätsanalyse. Hauptfrage des Berichtes wird sein, ob in der Schweiz in den nächsten Jahren genügend Pflegepersonal ausgebildet und rekrutiert wird. Die Publikation des Berichtes ist für Herbst 2021 geplant.

Im Auftrag des BAG wurden die Daten 2020 des «International Health Policy Survey» der Stiftung Commonwealth Fund analysiert. Die Erhebung in diesem Jahr widmete sich den Erfahrungen der Wohnbevölkerung ab 18 Jahren mit dem Gesundheitssystem. Die Schweizer Ergebnisse konnten mit 10 Ländern verglichen werden und es liessen sich Entwicklungen von 2010 bis 2020 aufzeigen.

Dass die Gesundheitsversorgung regionale Unterschiede zeigt, ist schon verschiedentlich untersucht worden. Erstmals hat das Obsan 2020 einen Bericht zu Stadt-Land-Unterschieden publiziert, der im Auftrag des Forums medizinische Grundversorgung unter Federführung des BAG erstellt wurde.

Wie jedes Jahr unterstützte das Obsan auch 2020 mehrere Kantone im Bereich der Spitalplanung. So wurden Planungsgrundlagen für die ambulante und stationäre psychiatrische Versorgung für das Psychiatriekonkordat der Kantone Uri, Zug und Schwyz sowie für die Kantone Luzern, Nidwalden, Obwalden und Solothurn berechnet. Die Resultate fliessen in die Planungsberichte dieser Kantone ein. Daneben wurden für die Spitalplanung der Akutsomatik und für die hochspezialisierte Medizin einigen Kantonen bzw. der GDK statistische Berichte zur Verfügung gestellt. Schliesslich konnte der Kanton Zug einen Versorgungsbericht entgegennehmen.

Im Bereich Datengrundlagen tat sich auch Einiges: Das Obsan konnte auf die Strukturdaten der Arztpraxen und ambulanten Zentren (Statistik MAS) des Bundesamtes für Statistik (BFS) zugreifen, nachdem in früheren Jahren für Analysen der Arztpraxen ausschliesslich Daten des Berufsverbandes der Schweizer Ärztinnen und Ärzte (FMH) zur Verfügung gestanden hatten. Daher wurde im Jahr 2020 eine umfangreiche Validierung durchgeführt. Parallel dazu wurde der ebenfalls neuere Datensatz des BFS zu den Patientendaten der ambulanten Behandlungen in Spitälern (PSA) aufbereitet und plausibilisiert. Erste Berechnungen, die schon daraus erstellt worden waren, konnten aktualisiert werden (Auftrag der Kantone der Westschweiz). Mit den neuen Daten können in Zukunft präzisere und detailliertere Analysen – auf Wunsch auch für Kantonsmandate – erstellt werden.

Demografie und Inanspruchnahme

In diesem Schwerpunktthema standen auch 2020 die Arbeiten zu den Fragen «Alter und Langzeitpflege» im Vordergrund. Für fünf Kantone der Deutschschweiz (Graubünden, Schaffhausen, Uri, Zug und Zürich) konnten statistische Prognosen als Grundlage für deren Pflegeheimplanung geliefert werden. Im Auftrag von Westschweizer Kantonen wurde eine umfassendere Planungsgrundlage für die altersgerechte Betreuung erstellt, die neben Prognosen zu den Pflegeheimen auch solche für die Spitex-Betreuung und die intermediären Strukturen umfasst. Neben dem Bericht für das Wallis, der 2020 fertiggestellt wurde, sind zwei weitere in Erarbeitung.

Die Frage, ob die epidemiologische Entwicklung, die dem Obsan-Modell der Langzeitpflege zugrunde gelegt wird, aufgrund neuerer Erkenntnisse angepasst werden muss, wurde mittels eines Projekts in Zusammenarbeit mit Unisanté Lausanne auf den Grund gegangen. Die Ergebnisse zur Entwicklung der Pflegebedürftigkeit wurden anfangs 2021 publiziert.

Daneben konnte in Absprache mit den Kantonen eine Aktualisierung der Erhebung zu den intermediären Strukturen in Auftrag gegeben werden. Die Ergebnisse des Projekts, das von einer Begleitgruppe unterstützt wird, werden im 2. Halbjahr 2021 erwartet.

Das Forschungsprojekt Home Care Data (im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms NFP 74), eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW), dem Verband Spitex Schweiz und dem Institut für Sozial- und Präventivmedizin (ISPM) Bern, konnte 2020 abgeschlossen werden. Das Bulletin «Pflege zu Hause: neue Daten» hob den Bedarf nach besseren Daten für die Spitex-Pflege hervor.

Die Arbeiten zu einem weiteren Bulletin zum Thema der Hospitalisierungen im letzten Lebensjahr je nach kantonaler Politik der Langzeitpflege konnten ebenfalls abgeschlossen werden. Das Bulletin ist anfangs 2021 erschienen.

Und schliesslich laufen seit Herbst 2020 intensive Vorarbeiten für einen Bericht zum künftigen Bedarf an Langzeitversorgung in der Schweiz.

Psychische Gesundheit, Krankheit und Behinderung

Die Auseinandersetzung mit der psychischen Gesundheit von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen war in diesem Jahr ein erster Schwerpunkt. Zu diesem Thema, zu dem vorher nur wenige schweizweite Publikationen existierten, wurde eine Aufbereitung der vorhandenen Literatur und existierenden Daten vorgenommen. Daraus resultierte das Kapitel «Psychische Gesundheit» im Nationalen Gesundheitsbericht.

Der fünfte Monitoringbericht zur psychischen Gesundheit in der Schweiz, der im Dezember 2020 publiziert wurde, stellt die zweite Veröffentlichung im Bereich psychische Gesundheit in diesem Jahr dar. Er informiert zur Entwicklung des psychischen Gesundheitszustands, zu Schutz- und Risikofaktoren und zur Inanspruchnahme ambulanter und stationärer Leistungen. Ausserdem geht er auf spezifische Themen wie Invalidisierung sowie Suizid und Kosten ein und gibt damit einen Überblick über die psychische Gesundheit der Schweizer Bevölkerung.

Kosten und Finanzierung

Im Rahmen der Einführung der Regelung der Kostenübernahme bei ausgewählten elektiven Eingriffen «ambulant vor stationär» (gemäss Artikel 3c und Anhang 1a der Krankenpflege-Leistungsverordnung KLV, Änderung vom 18.7.2018) erhielt das Obsan den Auftrag, ein Monitoring durchzuführen. Ein erster Kurzbericht wurde 2020 publiziert und zwei Indikatoren (Entwicklung der Fallzahlen und der Kosten), die jährlich aktualisiert werden, sind auf der Webseite aufgeschaltet worden.

Zudem wurde im Hinblick auf die Untersuchung allfälliger Fehlanreize bei den Spitalzusatzversicherungen das sozioökonomische und gesundheitliche Profil von Spitalzusatzversicherten untersucht. Das Bulletin «Personen mit und ohne Spitalzusatzversicherung» ist anfangs 2021 erschienen.

Obsan-Kundenzentrum

Im Jahr 2020 standen neben der Bearbeitung von 53 Mandaten auch Verhandlungen mit den Kantonen im Zusammenhang mit der neuen Vertragsperiode 2021–2025 an. Erfreulicherweise konnten 17 der 18 bestehenden Standardverträge erneuert und ein neuer Fünfjahresvertrag sowie ein neuer Vierjahresvertrag abgeschlossen werden.

Beispiele für Kundenaufträge:

  • Umfassender Gesundheits- und Versorgungsbericht 2021 für den Kanton Appenzell Ausserrhoden
  • Analysen zu «ambulant vor stationär» im Auftrag des Kantons Neuenburg
  • Auswertungen zur fürsorgerischen Unterbringung im Kanton Zug
  • Bedarfsanalyse in der Hochspezialisierten Medizin (HSM) für die Bereiche Cochlea Implantate, Herzunterstützungssysteme und Urologie, im Auftrag der GDK

Aufgrund der Covid-19-Pandemie verzichtete das Obsan darauf, den jährlichen Obsan-Workshop im Juni durchzuführen.

Team

21 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf 16,7 Vollzeitstellen standen dem Obsan 2020 zur Verfügung (Stand Dezember 2020), darunter eine Lernende. Die Personalsituation war das ganze Jahr über stabil. Das Team arbeitete einen Grossteil des Jahres im Homeoffice.

Organigramm (PDF)

Finanzierung

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