2021: Zukünftiger Bedarf des Gesundheitssystems im Mittelpunkt der Aktivitäten

2021 wurden zahlreiche Prognosen rund um den künftigen Bedarf des Gesundheitssystems erstellt. Sei es der Bedarf an Gesundheitspersonal, an medizinischem Nachwuchs, an Spitalkapazitäten oder an Langzeitpflege: Das Schweizerische Gesundheitsobservatorium (Obsan) stellt seine Kompetenzen zur Verfügung und unterstützt die Kantone und den Bund in ihrer Aufgabe, die Zukunft zu antizipieren und zu planen. Insgesamt wurden im Jahr 2021 14 Publikationen erstellt. Das Auftragsvolumen blieb mit rund 50 gelieferten Analysen im Vergleich zu 2020 stabil.

Jahresbericht 2021 Download

Gesundheitsfachkräfte

Obsan Rapport 03/2021

Die Situation der Gesundheitsfachkräfte (Auswirkungen der Pandemie auf die Arbeitsbelastung in der Pflege sowie die Pflegeinitiative und deren Umsetzung) steht gegenwärtig im Fokus des öffentlichen Diskurses. Die Publikation des Nationalen Versorgungsberichtes 2021 zum Gesundheitspersonal in der Schweiz, den das Obsan zusammen mit der Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren (GDK) sowie der Nationalen Dachorganisation der Arbeitswelt Gesundheit (OdASanté) erstellt hat, stiess dementsprechend auf grosses Interesse. Dem Bericht sind zwei Publikationen zum Thema vorausgegangen, eine Publikation zu den Berufsaustritten beim Gesundheitspersonal und eine Publikation zu den Bildungsverläufen im Pflegebereich. Zudem wurde im Anschluss an den nationalen Bericht ein Bulletin zur Situation des Personals in Alters- und Pflegeheimen erstellt.

Auch Fragen rund um den zukünftigen Bestand und Bedarf an Fachärztinnen und -ärzten in der Schweiz beschäftigen das Obsan seit einigen Jahren im Rahmen der «Koordination der ärztlichen Weiterbildung». Im Auftrag des Dialogs Nationale Gesundheitspolitik erarbeitet das Obsan – gemeinsam mit dem Bundesamt für Gesundheit (BAG), dem Schweizerischen Institut für ärztliche Weiter- und Fortbildung (SIWF) und der GDK – einen ersten Ergebnisbericht dazu. Der Bericht wird 2022 publiziert.

Gesundheitsfachkräfte

Im Rahmen der Zulassung der ambulanten Leistungserbringer wurde das Obsan in Zusammenarbeit mit BSS Volkswirtschaftliche Beratung vom BAG beauftragt, regionale Versorgungsgrade nach Fachgebiet zu berechnen, welche den Kantonen als Grundlage für die Herleitung der Höchstzahlen für die Zulassung der Leistungserbringer dient. Gleichzeitig erarbeitet das Obsan zuhanden der Kantone Vorschläge für die Herleitung dieser Höchstzahlen. Neben der Zulassungsthematik werden weitere Fragen zu Erreichbarkeit und Zugänglichkeit von Versorgungsstrukturen bearbeitet.

Alter und Langzeitpflege

Die beschleunigte demografische Alterung wirft immer dringender die Frage nach den notwendigen Entwicklungen in den Strukturen der Langzeitpflege auf. In Zusammenarbeit mit einer Begleitgruppe wurden 2021 Prognosen des zukünftigen Bedarfs in Alters- und Pflegeheimen, Spitex-Organisationen und bestimmten intermediären Strukturen erstellt und verschiedene Versorgungsszenarien modelliert. Der Bericht wird 2022 publiziert. Parallel dazu wurden die Schätzungen des künftigen Bedarfs für die Kantone fortgesetzt.

Obsan Bulletin 03/2021

Die Erstellung dieses Berichts wurde von mehreren Studien begleitet, darunter ein Bulletin, das den Wissensstand über die Auswirkungen der gestiegenen Lebenserwartung auf die Dauer der Pflegebedürftigkeit aktualisiert. Um die vorhandenen Daten zu vervollständigen, wurde eine Aktualisierung der Erhebung Intermediäre Strukturen für ältere Menschen vorgenommen. Schliesslich wurden unter Anwendung der kantonalen Betreuungsmodelle die Hospitalisierungen von betagten Personen im letzten Lebensjahr untersucht.

Gesundheitssystem

Auch im Spitalbereich bleibt die Ermittlung des künftigen Bedarfs als Antwort auf die Anforderungen der Spitalplanung eine Kernaktivität des Obsan. Im Jahr 2021 wurden Mandate für 13 Kantone durchgeführt, und im Rahmen der hochspezialisierten Medizin wurden im Auftrag der GDK fünf Bereiche analysiert. Parallel dazu konnten die Umsetzungsarbeiten im Hinblick auf den Relaunch des Versorgungsatlas in Angriff genommen werden: Inhaltliche, methodische und technische Arbeiten haben 2021 begonnen, die Publikation des Atlas ist Ende 2022 vorgesehen.

Das Gesundheitssystem wird auch aus Sicht der Bevölkerung betrachtet. Deren Bedürfnisse und Präferenzen bezüglich der Zukunft der ambulanten medizinischen Grundversorgung wurden im Rahmen eines Projekts der Universität Luzern und Interface untersucht, an dem auch das Obsan beteiligt war.

Gesundheitssystem

Im Rahmen der Erhebung «International Health Policy Survey» des Commonwealth Fund und im Auftrag des BAG hat das Obsan die Erfahrungen der Wohnbevölkerung ab 65 Jahren mit dem Gesundheitssystem analysiert und einen Bericht dazu publiziert.

Psychische Gesundheit

Im Bereich der psychischen Gesundheit ist das Motto «Investment in eine bessere Datengrundlage» aktuell: Mit dem Ziel, bestehende Erhebungen zu ergänzen, wird das Bundesamt für Statistik (BFS) 2022 im Auftrag des Obsan eine Omnibuserhebung zur psychischen Gesundheit und Versorgung durchführen. Die verschiedenen Fragebogen wurden unter Beizug von externen Expertinnen und Experten zusammengestellt. Nach der Pilottestung im Februar 2022 wird die eigentliche Erhebung im September 2022 folgen.

Psychopharmaka

Die Arbeiten zu zwei Publikationen konnten im Auftrag des BAG in Angriff genommen werden. Im ersten Bulletin analysiert das Obsan den Bezug von Psychopharmaka in der Schweiz. Im Zentrum des Interesses stehen die Mengen, die Kosten, wer Psychopharmaka bezieht und wer sie verschreibt. Der Fokus liegt im ambulanten Versorgungsbereich. Ausserdem wird das «Kennzahlen»-Bulletin aktualisiert, in welchem anhand weniger Indikatoren ein Überblick über die psychische Gesundheit, die Inanspruchnahme von Leistungen zur Behandlung psychischer Krankheiten und deren Kosten im Jahr 2020/2021 in der Schweiz gegeben wird. Um die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie und den damit verbundenen Massnahmen besser zu verstehen, werden die Analysen erweitert. Beide Bulletins werden 2022 publiziert.

Kosten und Finanzierung

Obsan Rapport 08/2021

Die Verlagerung in den ambulanten Bereich (Ambulant vor Stationär) stellt ein Spar- und Qualitätspotenzial dar, das im Rahmen der Massnahmen zur Eindämmung der Kostenentwicklung im Gesundheitswesen angestrebt wird. Im Auftrag des BAG wird die Auswirkung der Einführung einer gesamtschweizerischen Liste der ambulant durchzuführenden Eingriffe durch das Obsan analysiert. Die Ergebnisse des zweiten Monitoring-Jahres wurden Ende 2021 veröffentlicht und werden in die Evaluation dieser Massnahme einfliessen. Parallel dazu wurde ein Instrument entwickelt, das den Kantonen die Überwachung dieser Massnahme erleichtern soll. Schliesslich wurden Vorbereitungen getroffen, um das Potenzial der in Deutschland verwendeten Listen für die Schweiz zu evaluieren.

Gesundheitsberichterstattung

Im Bereich der Gesundheitsberichterstattung wurde zum ersten Mal ein umfassender Gesundheits- und Versorgungsbericht erstellt, dies im Auftrag und in enger Zusammenarbeit mit dem Kanton Appenzell Ausserrhoden. Neben Indikatoren der Schweizerischen Gesundheitsbefragung (SGB) zum Gesundheitszustand und Gesundheitsverhalten beinhaltet dieser Bericht auch Analysen zur Versorgungssituation im Kanton und zu Entwicklungen und Massnahmen im Gesundheitsbereich.

Obsan Bericht 02/2021
Gesundheitsberichterstattung

Auch basierend auf der Schweizerischen Gesundheitsbefragung (SGB) konnten zwei Spezialthemen vertieft werden: Eine erste Studie untersuchte sozioökonomische, migrationsspezifische und Lebensstil-bezogene Einflussfaktoren in Bezug auf den Gebrauch von Verhütungsmitteln in der Schweiz, eine zweite Studie widmete sich dem Thema Hören und Sehen (Publikation 2022). Schlussendlich haben neun Kantone die Stichprobe der SGB 2022 über den Leistungskredit beim Obsan aufgestockt. Damit haben insgesamt 17 Kantone, die Stadt Zürich und das Fürstentum Liechtenstein die Voraussetzung geschaffen, zukünftig Auswertungen auf regionaler Ebene vorzunehmen.

Indikatorenmonitoring

Beim Indikatoren-Monitoring lag das Hauptgewicht neben der Aktualisierung der bestehenden Indikatoren auf der Entwicklung neuer Indikatoren im Bereich Alter und Langzeitpflege.

Das Monitoring-System Sucht und nicht-übertragbare Krankheiten (MonAM) des BAG wurde ebenfalls regelmässig aktualisiert und um fünf neue Indikatoren erweitert. Aktuell stehen 110 Indikatoren zur Verfügung.

Monitoring

Kundenzentrum

Wichtige Auftraggeber waren 2021 weiterhin die Kantone: 18 Kantone haben mit dem Obsan einen Standardvertrag für die Jahre 2021–2025 abgeschlossen, und rund vier Fünftel der total 49 bearbeiteten Mandate wurden durch die Kantone in Auftrag gegeben. Die für 2021 vorgesehene Jubiläumsveranstaltung zu den 20 Jahren Obsan wurde pandemiebedingt verschoben und findet neu im September 2022 statt.

Kundenaufträge 2021

 

 

 

 

 


Beispiele für Kundenaufträge:

  • Analysen zum Bedarf an Gesundheitspersonal in der Pflege für die Kantone Aargau, Basel-Stadt, St.Gallen, Waadt und für die Zentralschweiz
  • Auswertung zur Anzahl Schlaganfälle im Kanton Genf und im Bezirk Nyon
  • Psychopharmaka in der Schweiz im Auftrag des BAG
  • Auswertung der nationalen Daten im Auftrag der Dargebotenen Hand 143

Team

22 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf 17,8 Vollzeitstellen standen dem Obsan 2021 zur Verfügung, darunter eine Lernende (Stand Dezember 2021).

Monika Diebold hat das Obsan Ende 2021 verlassen. In den 12 Jahren als Leiterin hat sie massgeblich dazu beigetragen, dass sich das Obsan als wichtiger Akteur im Schweizer Gesundheitswesen etabliert hat. Das Obsan-Team dankt ihr herzlich für ihre wertvolle Arbeit und wünscht ihr alles Gute für die Zukunft. Bis die Nachfolge geklärt ist, leiten Sonia Pellegrini und Marcel Widmer das Obsan in einer Co-Leitung ad interim.

Seit Mitte Oktober 2021 arbeitet Lucas Haldimann als wissenschaftlicher Projektleiter beim Obsan und unterstützt das Team unter anderem in den Bereichen Gesundheitsfachkräfte und Gesundheitsversorgung.

Finanzierung

Finanzierungsbeiträge 2021

Laufende Projekte

An diesen Themen wird 2022 gearbeitet: Laufende Projekte.